Was mir zunehmend auffällt: Ich kann nicht pragmatisch denken. Oder: nicht mehr!
Ich fühle mich schon lange nicht mehr zugehörig zu dieser Welt. Alle kommen voran, alle machen was, alle treffen Entscheidungen, sorgen für sich etc.
Ich kriege keinen Fuß auf den Boden. Das war und ist schon lange so.

Aber in letzter Zeit spüre ich mehr und mehr, wie ich völlig unfähig bin oder zu sein scheine, aus den Bedingungen die Konsequenzen zu ziehen.
Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass das Trauma meine Fähigkeit für „Alltagsdenken“ zerstört hat. Es ist wie ein Kollateralschaden des Überlebenskampfes. Ich bin sehr gut im abstrakten Denken, weil das die gewohnte Fluchtumgebung ist (wie bei Alice Miller beschrieben), aber ich bin emotional zunehmend distanziert zur Umwelt. Gesteigert dann noch durch die (teils selbstgewählte (Studium, Diss, Studium) teils unfreiwillige Isolation (kein Job, keine Beziehung) von der Umwelt. Ich kann die Situationen gar nicht mehr einschätzen… hänge in einer Schleife der Fremdbestimmtheit drin: wie ein Schüler, der durch die Klassenstufen geht, weil alles vorgeschrieben ist.
Und während ich das tippe, vermute ich, warum das so ist – und es passt voll in das Narrativ der PTBS: Autonomie!
Keine Autonomie, keine eigene Entscheidung
Weil ich aufgrund meines Entwicklungstraumas nahezu keine oder sehr wenig Autonomie gelernt habe, zeigt sich die mir die Umwelt gar nicht mehr als gestaltbar an. Und daher wirkt sie auch so distanziert und nicht greifbar oder zugänglich. Ich weiß gar nicht, wie das geht: sein leben gestalten.
Ich weiß gar nicht, was gut für mich ist, weil ich tief drinnen gar nicht verstanden habe, was das bedeuten kann oder gar wie es sich anfühlt.
Wann war denn das letzte Mal, dass ich etwas GUTES für mich getan habe und das NICHT nur Gefahrenabwehr oder Therapie war?
Das war mit elf Jahren bei der Entscheidung, Schlagzeug zu spielen und bei der Bewerbung für die Kunsthochschule.
Alles andere „Gute“: Klinikaufenthalte, Therapie, etc. waren aus der Not heraus – aber nicht aus der Lust.
Und was völlig fehlt: Langzeitstrategien. Es gibt keinen Plan und ich hatte nie einen. Daher fällt es mir – Scanner Personality hin oder her – auch so schwer, Entscheidungen zu treffen. Wohin sollen diese langfristig führen?
Mir fehlt vollkommen das Gefühl dafür, etwas aufzubauen.
